#CoronaZeiten #7

Sieben Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

  1. Mein liebstes Wortfundstück ist #Snutenpulli. Man könnte natürlich auch Maullappen oder Nasenverhüterli sagen. Auf jeden Fall ist die Tatsache ob, wie und wann jemand eine im ÖPNV oder im Einzelhandel geforderte „textile Mund-Nasen-Bedeckung“ trägt, interessant. Da gibt es die, die die Einmal-Maske übers Kinn ziehen und Mund-Nasen-Frei im vollen Bus sitzen. Es gibt auch die Variante Maske als Haar-Bedeckung, gerne mit einer Handwerker-Arbeitsmaske erprobt. Diese beiden Varianten scheinen aufgrund der überproportionalen Sichtungen mit einem Defekt des Y-Chromosomen verbunden zu sein. Ansonsten findet man noch gerne die eher bei Frauen sichtbare Variante der freien Nase. Bei allen diesen „Regelverweiger*innen“ wird auch gerne die Facebook-Expertise, warum das eh nicht hilft, angeführt. Wenn aber in einem Geschäft jemand mit einer Wachschutz-Uniform steht, folgt man natürlich, um bei nächstbester Gelegenheit das Teil wieder abzulegen. Was für ein Verständnis von Eigenverantwortung und Schutz der anderen.
  2. Vier-Tage-Wochen sind in diesen anstrengenden Zeiten, zumal wenn sie nicht nur mit viel Erwebsarbeit, sondern aufgrund persönlicher Umstände mit doppelter Sorgearbeit verbunden sind, super. Da ist neben all der Arbeit sogar noch etwas Erholung drin. Ich habe zum Beispiel zwei Bücher ausgelesen und finde das großartig, weil ich in den letzten Wochen nicht mal dazu gekommen bin.
  3. Die am wenigsten sichtbaren und oft unterschätzten Corona-Held*innen sind für mich die Müllleute. Die Mengen an Papier, Glas und Restmüll sind in meiner Wohnanlage so reichlich, dass es sinnvoll ist, sehr bald nach ihrem Besuch seinen Anteil für den nächsten Besuch runter zu bringen bevor die Tonnen wieder zu voll sind.
  4. Statt Urlaubs- und Kulturfreude ist viel Zeit nötig, um die abgesagten Termine mit Erstattung und Neuterminierung zu verfolgen. Und man freut sich, wenn ein Veranstalter natürlich eine Erstattung, aber auch eine Spende mit Bescheinigung anbietet, die binnen weniger Wochen auch mit einem wunderbaren Danke-Brief ankommt.
  5. Die Diskussion über Lockerungen, Anpassungsstrategien und die damit verbundene Diskussion zeigt tiefe Spaltungen in unserer Gesellschaft auf. Und während einige meinen, mit Demogaffen ihr Recht auf Freiheit in Anspruch nehmen zu müssen, werden andere, die zur Vernunft mahnen, beschimpft.
  6. „Money makes the World go around“ – deshalb meinen vermutlich einige, dass eine Diskussion über Orte für Kinder ausserhalb ihrer häuslichen Umgebung nur in Gesellschaft ihrer Kernfamilie sei „Micky-Maus-Politik“, während sie selbst eine nur von Fernsehgeldern (und deutlich zu hohen Einkommen einiger Fussball-Profis) getriebene Debatte um Geisterspiele in der Fussball-Bundesliga führen, die ähnlich überzeugend ist wie Ausführungen einer Auto-Lobbyistin, die erklärt, warum Dividendenzahlungen und Manager-Boni gezahlt werden sollten, während man gleichzeitig nach Staatshilfen aus Steuermitteln ruft. Dafür soll es aber natürlich kein Mitspracherecht des Staates geben. Aber natürlich braucht es eine Debatte über Verteilungsgerechtigkeit und mehr als Klatschen für die Systemerhalter*innen. Obwohl deren Einkommen gute Gründe für staatlich geregelten armutsfesten Mindestlohn und Grundrente sind.
  7. Es braucht in diesen Zeiten Schönes. Blumen, gute Nachrichten und das, was einer selbst gut tut. Denn man sollte das Leben so genießen wie es ist.

#CoronaZeiten #6

Sechs Wochen #CoronaZeiten, noch einiges vor uns

  1. Der Stellenwert von Fachwissen, das Einordnen von Fakten und die Verbindung mit politischen Handlungen wird zunehmend komplexer. Während die Operation #FlattenTheCurve zunächst mit viel Disziplin der allermeisten gelungen scheint, wächst mit zunehmender Dauer dieser Situation die Zahl derer, die nach Lesen von zwei, drei Posts und dem Ansehen eines YouTube-Videos genau wissen, was man tun muss. Das „Bundestrainer-Phänomen“ scheint sich mangels Fussballspielen auf Corona-Bewältigungsstrategien verlagert zu haben. Gleichzeitig wird im Kreis der Ministerpräsidenten offenbar ein Kandidatenwettkanpf ausgefochten, der mich ratlos zurücklässt. Und wütend macht, wenn Ministerpräsidenten Lockerungsmassnahmen mit Expertenrat von Wahlkampfspendern verkünden oder eine PR-Agentur Wissenschaftskommunikation mit Storyboard nach politischen Zielen für eine Studie betreibt.
  2. Das Schwierigere nach einer Phase von Restriktionen scheinen die Lockerungen zu sein – beziehungsweise nach einem harten Stop ein vorsichtiges „Wiederanfahren“. Der Glaube, dass die Wochen des aktuellen Lockdown ausreichen würden, um die Pandemie vollständig zu bekämpfen wird verbunden mit einer Debatte, in der das Ziel „Leben retten“ hinter das Ziel „mein Leben retten“ zurückzutreten scheint. Jüngere scheinen zu meinen, nur Ältere würden sterben und die Zeit der Rücksichtnahme ist vorbei. Die Spaltungen der Gesellschaft, die Trennung in wichtig und unwichtig, die Wertigkeiten verändern sich.
  3. Männer scheinen unbesiegbar. Deshalb können sie zum Beispiel auf Mund-Nasen-Schutz im ÖPNV verzichten und machen es bestenfalls, wenn Strafe droht. Es wird Eigenverantwortung gefordert, aber das eigene Tun erst verändert, wenn es strafbewehrt ist. Wenn die Folgen dieser Haltung nur von denen zu tragen wäre, die ihre Freiheit fordern, wäre es zwar tragisch – so wie Boris Johnson seine Sorglosigkeit mit einem schweren Verlauf von Covid-19 samt Aufenthalt auf der Intensivstation „büßen“ musste – aber abgesehen von den Kosten für alle, die das finanzieren und den Risiken, die die im Gesundheitssystem Tätigen dafür tragen müssen, schadet es eben Anderen, die deshalb ein mitunter (in dieser Form) unnötiges erhebliches Risiko tragen müssen.
  4. Wenn man in einem durchgetaktetem Leben Urlaube und Kulturveranstaltungen längerfristig plant, ist es schade, wenn plötzlich alles anders ist. Wenn schon die zweite Reise, die im letzten Jahr geplant und gebucht wurde, die Vorfreude in Arbeit übergeht, sich um die finanzielle Re-Abwicklung zu kümmern. Wenn Konzerte, auf die man sich Ende April gefreut hat, plötzlich mit neuen Daten im Dezember auftauchen und man vor allem damit zu tun hat, den Überblick zu behalten.
  5. Wenn man gerne liest, aber mit all der Arbeit zu erschöpft ist, das gerade erreichte persönliche „Lesetempo“ für ein Buch, das auch ein Indikator des persönlichen Stresslevels ist, zu halten, freut man sich auch, wenn man überhaupt wieder zum Lesen kommt und sich in ein wunderbares Buch vertieft und sogar ausliest. Mit diesem schönen Gefühl, etwas geschenkt bekommen zu haben, was eine in der kommenden Zeit als Gedanken begleitet.
  6. Wenn man einen Balkon, eine Terasse oder einen Garten hat, dann hat man einen wichtigen Kraftquell. Ein wenig in der Erde herumwühlen und einfach nur inmitten des eigenen Grüns zu sitzen, ist so wunderbar.
  7. Es ist wichtig, mit sich und seinem Leben, seinen Lieben und seiner Wohnung im Reinen zu sein. Und trotzdem fehlt zunehmend der Abend mit einem lieben Freund mit einem guten Essen im Restaurant und gutem Gespräch genauso wie der Ausflug mit der lieben Freundin oder der Bummel durch die Innenstadt. Bei allem Digitalem – Reales ist auch wichtig.

#CoronaZeiten #5

Fünf Wochen #CoronaZeiten, noch einiges vor uns.

  1. Es kommt langsam etwas Routine in die veränderten Abläufe des Alltags. Der Wechsel zwischen Homeoffice und Büro, die Tages- und Wochenstruktur, das spielt sich langsam ein. Aber gleichzeitig wird auch deutlich, was in dieser Arbeitsanordnung besonders fehlt: Das „Mal eben kurz“-Gespräch auf dem Flur, die kurze direkte Nachfrage, das miteinander am Besprechungstisch etwas diskutieren, das Gespräch in der Kantine oder der „U-Bahn-Pitch“, das ist alles anders und es braucht ein anderes Herangehen, um die vielen informellen, so wichtigen, Gespräche, zu führen.
  2. Eine Diskussion um Lockerungen, die wichtig sind, führt offenbar bei vielen zu neuer Sorglosigkeit und Rücksichtslosigkeit. Da sprechen Kanzlerin und alle Ministerpräsidentinnen eine „dringende Empfehlung“ aus, im ÖPNV und beim Einkaufen eine Alltagsmaske zu benutzen, aber es tut kaum jemand. Man redet über Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen in Wirtschaft und Öffentlichkeit, und schon trifft man auf fröhliche Ansammlungen auf dem Gehweg vorm Dönerstand oder dem improvisierten Strassenausschank der Kneipe um die Ecke. Gleichzeitig gibt ein fröhliches Vernadern von (vermeintlichen) Regelbrecherinnen und der Feiertag der Maria Denunziata aus der Tante Jolesch wird von einigen exzessiv gefeiert. Gibt es so wenig Selbstverantwortung, gibt es wirklich den Bedarf, nur dann etwas zur Bekämpfung der Pandemie zu tun, wenn es strafbewehrt staatlich verordnet wird?
  3. Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, wer mit welchen Werten und welchem Verantwortungsgefühl, mit welcher Demokratiefestigkeit schwierige Abwägungen und Entscheidungen trifft. Und auch hier wird immer deutlicher, wer nur PR macht und wer staatspolitische Verantwortung erkennt und annimmt.
  4. Wir befinden uns gerade in einem gewaltigen Feldversuch, in dem wir selbst die Versuchspersonen sind. Wir werden in einigen Jahren wissen, welche Strategien und politische Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung richtig und wichtig waren. Bis dahin können wir nur hoffen, dass wir in einem schnell lernenden Umfeld leben, das sich am besten an die sich noch unbekannten Bedingungen anpasst.
  5. Soziale Ungleichheit verstärkt sich in diesen Zeiten. Und die Bedeutung von Wohnen wird immer deutlicher. Genug Platz für jeden, ein eigener Garten oder zumindest ein Balkon sind schon immer ein wichtiger Punkt für das „Wohnwohlbefinden“, aber das haben viele nicht. Und der Satz von Heinrich Zille „Mit Wohnungen kann man Menschen erschlagen.“ gilt leider für einige immer noch. Aber auch Homeschooling ohne eigene IT und ausreichend Datenvolumen verstärkt bestehende soziale Ungleichheiten.
  6. In diesen Zeiten verstärken sich alte Rollenbilder und -wahrnehmungen. Wenn ein kurzer Tweet mit der Frage „Was trägt der Vater der Kinder der Frau von Alexander Kekule“ in der Twitterwelt breit rezipiert wird, dann verstehen offenbar viele nicht, dass einer Frau Prof. Kekule vermutlich viele empfohlen hätten, doch einfach Homeoffice und Kinderbetreuung miteinander zu verbinden, aber einem Herrn Prof. Kekule das als „führendem Virologen“ gar nicht zugemutet werden darf. Was vielleicht auch erklärt, warum wir so wenig führende Virologinnen haben, die wir in den Medien hören und sehen.
  7. Blumen, Bücher und sonst das Eine oder Andere sind wunderbare Zeichen von Freund*innenschaft und Zuneigung. Und gerade in Zeiten wie diesen tut es gut zu wissen, dass da immer noch liebe Menschen sind, die sich genauso wie man selbst auf ein reales Wiedersehen freut.

#CoronaZeiten #4

Vier Wochen Corona-Zeiten, einiges noch vor uns.

Meine Erkenntnisse der Woche:

  1. Freund*innen und Familie sind so wichtig in diesen Zeiten. Und es braucht Denken aneinander und Zeit miteinander. Das geht aber auch mit Einhaltung der Abstandsregeln. Es erfordert vor allem Zeit für ein Telefonat. Eine Postkarte, ein Brief, gar ein kleines Päckchen oder auch ein Blumenstrauß sind so wunderbare Zeichen von der Liebe, die wir einfach brauchen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und das begleitet uns in guten wie in schlechten Zeiten und stärkt uns.
  2. Früher habe ich mich immer gewundert, wenn Frauen so wenig eigenständig sichtbar waren, dass sie selbst als Witwen immer noch im Telefonbuch nur unter dem Namen des verstorbenen Gatten zu finden waren. Aber es gibt (leider) auch eine ganz moderne Ausprägung: Ehefrauen, die keine eigene Mailadresse haben, und unter der ihres Gatten kommunizieren.
  3. Frauen sind eh in diesen Zeiten noch weniger sichtbar als sonst. Die wissenschaftlichen Gremien wie die Leopoldina sind Orte, wo Frauen kaum vertreten sind. Und die Virologen scheinen nur Männer an die Spitze zu bringen.
  4. Aber auch im öffentlichen Raum sind kaum Frauen zu sehen. Wenn ich statt im Homeoffice im Büro bin und von dort mit dem ÖPNV nach Hause fahre, bin ich oft die einzige Frau, die unterwegs ist. Aber mir kommen öfter Gruppen junger Männer entgegen und ich bin froh, dass ich keine Angst habe, mich alleine im öffentlichen Raum zu bewegen.
  5. Tagesstruktur ist in diesen Zeiten genauso wichtig wie Wochenstruktur. In den Zeiten von Ostern erprobt man die 4-Tage-Woche und stellt fest, wie gut es unter den aktuellen Belastungen tut, einfach auch Zeit zu haben, die nicht für Arbeiten oder Sorgearbeit gebunden ist. Zum Beispiel Zeit fürs Nichtstun oder das Lesen. Ich komme in den letzten Wochen kaum noch zum Lesen. Das ist bei mir ein Zeichen, dass ich einfach zu viel zu tun habe. Aber Ostern bin ich endlich wieder in dem wunderschönen Roman weitergekommen, den ich vor Beginn dieser wilden Zeiten begonnen habe. Und Zeit, Balkonien aufzuhübschen, gab es auch. Endlich mehr als Arbeiten, erschöpftes Schlafen und Sorgearbeit für andere.
  6. Es tut gut, aufzuräumen und wegzuwerfen genauso wie zu kochen oder backen. Es ist schön, wenn man Dinge in andere, gute Hände gehen kann oder ein gutes Essen genießen kann. Aber wenn z.B. überfüllte Mülltonnen oder fehlende Dinge im Supermarkt ein begrenzender Faktor sind, stellt man fest, wie wichtig die „Systemerhalterinnen“ sind. Die Kolleginnen im Supermarkt, in der Nahrungsmittelindustrie, bei der Müllabfuhr, im ÖPNV, in den Verwaltungen oder im Gesundheitswesen brauchen neben verbaler Anerkennung und Wertschätzung aber in Zukunft statt warmer Worte vor allem mehr Geld für ihre Arbeit. Und da kommen wir an grundlegende Fragen, welche Arbeit wieviel Wert ist und wie sich das am Konto auswirkt.
  7. Einige in Europa fliegen lieber – schlecht bezahlte – 24-Pflegen oder Erntehelfer ein, als Menschen in humanitären Notsituationen. Der oder die Einzelne kann dagegen nur einen kleinen Teil, zum Beispiel mit der Stimme bei den nächsten Wahlen, bewegen. Aber wir können auch mit dem uns zur Verfügung stehenden Geld unsere Position deutlich machen. Ich habe meine Entscheidung für mich getroffen: ich investiere gerne Geld in den Erhalt bzw. die Rettung von Kiezkneipen oder Buchläden. Ich kaufe mehr Blumensträuße als sonst und bestelle auch Orchideen, die sonst auf dem Kompost landen würden. Aber Spargel gibt es dieses Jahr nicht.

#CoronaZeiten #3

Drei Wochen Corona-Zeiten, einiges noch vor uns.

Meine Erkenntnisse der Woche:

  1. Freundinnen im wahren Leben sind auch Freundinnen in Corona-Zeiten. Und es tut gut, wenn man weiß, dass man auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen Unterstützung hat.
  2. Bisher unterschätzte Corona-Held*innen sind die Müllleute. Solche Zeiten nutzen offenbar viele für das Aufräumen und endlich wegwerfen von Dingen, die die Wohnungen verstopfen.
  3. Auch wenn es weniger Auswahl bei Flüssigseife oder Toilettenpapier gibt – man bekommt alles, was man braucht. Aber wirklich wichtig ist eine gute Handcreme.
  4. Der Mund-Nasen-Schutz ist öfter im ÖPNV oder im Supermarkt zu sehen. Dabei befolgen immer mehr den Hinweis, dass das „gute Zeug“ für die Profis ist und die anderen mit selbstgenähten Teilen auch einen Beitrag leisten können, selber weniger Tröpfchen zu verteilen.
  5. Auch in diesen Zeiten braucht man Erholung und Abwechslung. Das kann aber auch ein Spaziergang sein oder ein Kaffee auf dem Balkon.
  6. Es gibt tolle Kolleg*innen, die in solchen Krisen hart arbeiten, um das Nötige zu tun. Es gibt Führungskräfte, die in solchen Zeiten ihre Verantwortung wahrnehmen und ihren Job machen. Und es ist zu hoffen, dass sie daran nicht von denen gehindert werden, die eher noch eventuell mögliche Probleme suchen anstatt Lösungen zu finden.
  7. Bei aller Arbeit muss immer Zeit für das wirklich Wichtige und vor allem die wirklich wichtigen Menschen im eigenen Leben bleiben. Weil es auch in diesen Zeiten ein Leben gibt.

#CoronaZeiten #2

Zwei Wochen Corona-Zeiten, einiges noch vor uns.


Meine Erkenntnisse dieser Woche

  1. „In der Krise zeigt sich der Charakter.“ Was für ein wahrer Satz, der viele große und kleine Belege im Beruflichen wie im Privaten findet. Es gibt so unendlich viel wunderbare Freundinnenschaft in diesen Zeiten, zauberhafte Kolleginnen, die auch in persönlich schwierigen Zeiten einfach da sind. Und auch ein paar Erfahrungen mit Menschen, die den aktuellen Herausforderungen nicht gewachsen sind, das aber nicht wahrhaben wollen.
  2. Wer auf einem bestimmten Level Politik macht – übrigens egal wo – , ist vermutlich meist weniger überfordert mit dieser Situation, in der viel Unsicherheit herrscht und man Entscheidungen treffen muss, deren Auswirkungen erst später zu sehen sind. Gleichzeitig lastet ein enormer Druck auf allen, die jetzt schwierige Entscheidungen in Unsicherheit treffen müssen. Die werden oft von Menschen, die ausserhalb der Krisenstäbe sitzen, nach Massstäben beurteilt, die in diesen Zeiten nicht herangezogen werden können.
  3. Es gibt einen ungeheuren Digitalisierungsschub. Videokonferenztools, Homeoffice, neue Funktionen im Handy und am Computer sind plötzlich für viele, die keine Nerds sind, wichtig.
  4. Langsam spielt sich eine Routine in den veränderten Verhältnissen ein. Denn Tagesstruktur ist wichtig. Über das Führen in Corona-Zeiten lohnt es einen eigenen Blog zu schreiben.
  5. Das Leben und Reden in den eigenen Blasen wird zunehmend zur politischen Herausforderung: die einen kochen mit Freund*innen gemeinsam via Skype und machen Yoga – und die anderen sitzen an der Supermarktkasse oder im LKW und man kriegt voneinander viel zu wenig mit.
  6. Der Kapitalismus und Neo-Liberalismus führt auch zu unterschiedlichen Corona-Bewältigungsstrategien. Ein Blick in die USA zeigt, wie es sich in einer Gesellschaft ohne selbstverständliche Krankenversicherung oder Lohnfortzahlung lebt. Und es ist eben nicht das Individuum, das alleine mit den Folgen von Corona umgehen kann.
  7. Es bleibt ein Privileg, in halbwegs gesicherten Verhältnissen zu leben. Und deshalb habe ich diese Woche einiges gespendet – als ein kleiner, eben aber ein Teil, einer Gemeinschaft, die dafür kämpft, dass es nach Corona noch die Lieblingskneipe oder den Buchladen um die Ecke gibt.

#CoronaZeiten #1

Eine Woche Corona-Zeiten vorbei und die nächste vor Augen, ein paar Erkenntnisse:

  1. Was und wer im realen Leben gut klappt, geht auch digital und per Telefon. Ist aber anstrengender und mein Lieblingsspruch ist „ist wie vor Corona-Zeiten, nur krasser“. Und mit wem man vorher gute berufliche oder persönliche Beziehungen hatte, mit dem ist es jetzt eher intensiver.
  2. Es ist in solchen Zeiten einfach besser, zwei Handys in Betrieb zu haben. Eines zum (Dauer)Telefonieren und eines zum schnellen parallelen Mail-etc-Checken. Und immer eine geladene Powerbank im Vorrat.
  3. Den ganzen Tag in Telkos zu sein, ist ziemlich anstrengend. Und es braucht auch in diesen Zeiten Tagesstrukturen.
  4. Manche Leute gehen mir bei Facebook und Twitter einfach mit ihrem Nörgeln über alle Massnahmen auf den Keks. Da sollte man für Freundeslistenhygiene sorgen.
  5. Ich habe dieses Jahr einige Reisen geplant. Ich bin dann mal gespannt, was wirklich stattfindet. Und zum Glück lebe ich gerne so und dort, wie/wo ich es tue. Samt Balkon, der nie wichtiger war als in Corona-Zeiten.
  6. Zu den systemrelevanten Berufen gehören in diesen Tagen auch die Müllabfuhr (es fällt eh mehr Müll an, weil die Leute mehr Zuhause sind plus die Ausmistaktionen), die Postbot*innen (es ist immer schon schön, Post im Briefkasten zu finden, in diesen Corona-Zeiten noch viel mehr) und die Telefonseelsorge genau wie alle anderen telefonischen Krisen-Beratungsdienste.
  7. Es ist wunderbar, in all dem Irrsinn weder mit jedem Cent rechnen zu müssen, wenn z.B. die No-Name-Eigenmarken im Supermarkt ausverkauft sind noch in einem prekären Arbeitsverhältnis zu arbeiten. Dieses beinhaltet aber auch die Verpflichtung, alle Kraft für eben jene einzusetzen, denen es anders geht. Und deshalb arbeite ich ab Montag früh wieder hart, um meinen Teil zur Lösung all der vielen aufgeworfenen Probleme beizutragen.

#megxit

Warum berührt uns die Berichterstattung über die aktuellen Verwerfungen in der englischen Königsfamilie so? Es gibt Twitter-Diskussionen, man will wissen, wie die Geschichte weitergeht und man kann viel daran über Beziehungen in Familienunternehmen erkennen.

Dazu ein paar Gedanken:

1. Der #Megxit ist ein spannendes Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Individualismus und einer traditionellen Auffassung von Pflichterfüllung.

Es geht in einer Institution, der englischen Königsfamilie, die seit fast 70 Jahren von einer Königin repräsentiert wird, die ihr ganzes Leben in den Dienst ihres Landes und der Institution gestellt hat und das Thema des privaten Glücks nie vor diese Pflichterfüllung gestellt hat, darum, ob der „Spare“ der übernächsten Generation gemeinsam mit seiner Frau nach drei Jahren unter Mitnahme und Nutzung der königlichen Privilegien diese versilbern darf und nur noch das macht, was er und seine Frau für richtig halten – für sich selbst und die Institution Monarchie. Und das in einem Aushandlungsprozess, der ihre Position als die richtige proklamiert. In dem Prozess geht es auch um viel Geld und die Frage, wer warum wofür was bezahlt.

2. Es geht auch darum, wie sich der Wunsch nach Kontrolle über die Medienberichterstattung durch gewinnorientierte Medienunternehmen mit der Notwendigkeit von öffentlicher Präsenz als Grundlage der eigenen Vermarktung beißt.

Die Sussexes sind ein Lehrbeispiel dafür, wie sich eigene Marken entwickeln. Genauso wie dafür, daß Kommunikation über soziale Medien nicht die Berichterstattung der traditionellen Medien ersetzt, aber neugestaltet werden und dass in diesem Familienunternehmen immer auch einzelne Familienangehörige ihre eigene Marke bilden und im Zweifelsfall auch zu Lasten der Gesamtmarke versilbern wollen.

Es geht dabei um das „Versilbern“ des Status als Teil der Königsfamilie. Es ist sicher kein Zufall, dass im #TeamMeghan einige aus der amerikanischen Gesellschaft sind, die eben auch von der Vermarktung der eigenen Person leben. Und während bisher der Nutzen der Vermarktung der Marke „Windsor“ insgesamt zu Gute gekommen ist, die von der gesamten Familie (sicherlich unterschiedlich stark) getragen wurde und wird, gibt es nun das Interesse eines Paares, den Nutzen der Marke – unter weiterer, für sie weiter kostenloser Inanspruchnahme ergänzender Leistungen (z.B. für Sicherheit, auch das System „Königshaus“ insgesamt), auf das eigene Konto zu lenken.

Dem Wunsch nach voller „Message Controll“ (vielleicht kann hier Sebastian Kurz eine Beratungstätigkeit lukrieren) steht das Vermarktungsinteresse der Boulevardpresse entgegen. Und gleichzeitig braucht eine „Personenmarke“ mehr als eigene Social Media-Auftritte mit großer Reichweite, nämlich eine Debatte und weitere Orte der Diskussion.

Die Stärke der Marke resultiert eben auch daraus, dass die echten Realtity-Soaps mit weltweiter Beachtung in den Königshäusern spielen. Diese verfolgen wir über viele Jahre und alle Krisen der Personen und der Institution verfolgt eine breite Öffentlichkeit. Ob das Hochzeiten oder Trauerfeiern sind – es sind Ereignisse mit höheren Einschaltquoten als Olympische Spiele oder Fussball-Weltmeisterschaften, deren handelnde Personen quasi überall ein weiteres Familienmitglied sind, weshalb sie schon mit Vornamen erkennbar sind. So steht Diana für etwas, das bis heute als die große Tragödie der „Königin der Herzen“, die viel zu früh starb, gilt und bei den traditionell nicht sehr gefühligen Briten nach ihrem Tod zu einen kollektiven, emotionalen Trauerausbruch führte.

Die aktuelle Diskussion findet auch vor dem Hintergrund eines quälend langen Brexit und dem Wissen statt, dass die englische Royal Family mit einer 93-jährigen Königin und einem 71-jährigen Thronfolger – in einem Umbruch ist. In einem Land wie dem Vereinigten Königreich, das sich in einem massiven Umbruch mit vielen Versprechungen und wenig Klarheiten für die Zukunft befindet, das aber fast 70 Jahre immer die Sicherheit einer pflichtbewussten, stoischen Königin hatte, eine zusätzliche Herausforderung.

Ansonsten für Insider*innen: Ich empfehle in The Crown, Staffel 3 die Folge 2 – Margaretology. Und insgesamt finde ich in dieser Staffel Prinzessin Anne die spannendste Figur.

3. Es geht auch um die Frage, ob nur die Bedürfnisse derer, die sich über „ungerechte Behandlung“ öffentlich beklagen, eine Rolle spielen oder ob es nicht auch relevant ist, die Auswirkungen auf andere zu berücksichtigen.

Es geht um das Konzept „Heir and Spare“ in primogeneralogischen Organisationen und die Frage, wie der „Spare“ damit umgeht, wenn er mitbekommt, dass er oder sie niemals von der Ersatzbank in das Team auf dem Centre Court wechseln kann. Das ist übrigens kein neues Problem, ganz im Gegenteil – Prinzessin Margaret, Prinz Andrew oder Prinz Edward hatten alle Probleme, ihren Platz zu finden und zu akzeptieren, dass sie immer nur eine Nebenrolle spielen werden. Prinzessin Anne, die Princes Royal, hat für sich und ihre Familie offenbar einen Weg gefunden, persönliches Glück und eine Rolle in der königlichen Familie zu verbinden. Und ein „Spare“, nämlich Lord Peter Wimsey, der Held der von mir sehr geliebten Krimis von Dorothy Sayers, hat es zu literarischem Ruhm gebracht und seinen Weg aus der Langeweile des Zweitgeborenen, der sich nicht um das Familienerbe kümmern muss, gefunden.

Letztlich geht es um zwei Brüder, die in einem Familienunternehmen arbeiten, dass der Ältere erben wird. Und die beide aus ihren (traumatischen) Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend unterschiedliche Schlussfolgerungen für ihr Leben und ihre eigene Familiengründung gezogen haben.

Der eine, der seine Rolle annimmt (und in absehbarer Zeit entsprechend der Familientradition das Familienoberhaupt sein wird), und der sich eine Frau mit einer intakten Familie gesucht hat, die er in sein Leben integriert hat. Der sehr lange ausprobiert hat (und seiner Frau damit die Chance gegeben hat, auch auf dieses Leben und ihn zu verzichten), ob die Beziehung mit seiner Frau trägt und sie mit ihm diesen Job mit allen Konsequenzen zu seinen und den Bedingungen der Institution machen will. Dem die Heirat seines jüngeren Bruders vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung und dem, was er aus der Geschichte seiner Eltern gelernt hat, viel zu schnell ging.

Der nicht nur die Übergriffe der Presse auf seine Mutter, sondern auch ihn (und seinen Bruder) erlebt hat, genauso wie die Verfolgung seiner Frau und seiner Stiefmutter durch diese Presse, bevor sie jeweils verheiratet waren. Der seine Frau und Kinder mit Anwälten vor medialen Übergriffen zu schützen versucht, mit seiner Frau eine durchaus erfolgreiche Medienstrategie entwickelt hat, um seinen Kindern möglichst viel Privatheit und Schutz zu bieten, aber eben eine andere Strategie als sein Bruder gewählt hat.

Der ebenso mehr Zeit mit und für seine mittlerweile drei Kinder haben will und sich kurz nach der Geburt seines dritten Kindes via Medien von seinem Bruder anhören durfte, dass dieses Kind eines zu viel angesichts des Klimawandels ist.

Der erlebt, dass sich die über 30-jährige Beziehung zu seinem jüngeren Brüder aufgrund von dessen Hochzeit rasant verändert, was natürlich auch für ihn schmerzhaft ist und der das Gefühl hatte, die neue Familie seines Bruders wird vom Vater und der Großmutter besser behandelt als er und seine Familie.

Und es geht auch darum, ob das immaterielle Erbe der von beiden Brüdern geliebten Mutter nur von einem Bruder gepflegt wird oder von beiden. Es geht sicher auch darum, dass die geforderte Freiheit des jüngeren Bruders, die auch mit mehr Zeit für seinen neuen Neffen begründet wird, aufgrund von weniger Schultern, auf die die Arbeit im Familienunternehmen verteilt werden kann, zu (noch) weniger Freiheit und Zeit für ihn und seine Familie führt, verbunden mit der Erfahrung, die schon sein Vater viele Jahre macht, dass mit viel Herzblut und Arbeit präsentierte inhaltliche Projekte und Aktivitäten durch zeitgleich (bewusst plazierte) „Celebritiy“-Interviews mit emotionalen Botschaften oder Babyfotos aus der öffentlichen Wahrnehmung fallen. Und das alles vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

4. Wir werden in ein paar Jahren wissen, wie diese Episode ausgegangen ist. Und neue Episoden erleben, die immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind.

#AktionSisyphos

Ein paar freie Tage. Zuhause. Und endlich einmal Zeit.

Zeit für Erledigungen, die im arbeitsreichen Alltag zu kurz kommen.

Zeit für Schlaf, der nicht durch den Wecker beendet wird, sondern durch Aufwachen. Zeit für Frühstück, das entspannt ist.

Zeit für Radiohören jenseits der üblichen Programme, die man an Arbeitstagen hört.

Und Zeit zum Aufräumen. Wenn man das neugekaufte Weckerradio endlich aufstellt. Es einrichtet. Uhren und Sender in Radios einstellen ist etwas, das Zeit braucht. Und beim nächsten Kauf denke ich auch an eine Fernbedienung, die gut bedienbar ist. Aber es ist jetzt eingestellt. Und läuft. Und sowas ohne Zeitdruck einrichten ist gut.

Und wenn man etwas wegnimmt, dann kommen auch Stellen zu Vorschein, die sich dem alltäglichen Putzen entziehen. Und das ist dann eine dieser Putzaktionen, die länger dauern, anschließend mindestens einen Sonderbesuch bei den Mülltonnen und meist auch beim Recyclinghof erfordern. Man trennt sich von Fehlkäufen, die kaum genutzt wurden, von Sammlungen, die längst zu viel Platz erfordern und nicht mehr zur Geltung kommen, erfreut sich dessen, was man hat und nimmt sich vor, in Zukunft auf Spontankäufe zu verzichten.

Jedenfalls ist die Zeit zum Aufräumen gut angelegt. Man besinnt sich auf das, was man wirklich braucht und was für eine wichtig ist. Und auch erholsam. Also ein guter Kurzurlaub.

#buchliebe

Ein Leben ohne Bücher ist möglich, aber sinnlos

Ich lese gerne. Ich finde Bücher wunderbar. Ich habe viel zu viele Bücher. Und ich kann mich ganz schlecht von gelesenen Büchern trennen. Selbst wenn sie grottenschlecht waren.

Wohlstand

Die Möglichkeit, Bücher zu kaufen. Genug Geld zu haben, um einfach jedes Taschenbuch zu kaufen, das ich gerne lesen möchte, war und ist immer meine persönliche Vorstellung von Wohlstand. Ich erinnere mich noch immer an dieses Glücksgefühl, als ich dem Studium in meinem ersten Job genug Geld über hatte, um mir alle Dorothy Sayers Krimis als frisches Taschenbuch zu kaufen. Ein Fest.

Bücherbevorratung

Ich habe diese Sayers-Krimis immer noch, man merkt, wie sehr sie gebraucht wurden und ich lese sie immer gerne. Sie stehen mit vielen, vielen anderen in einem meiner vielen Bücherregale. Bei meinen (wenigen) Umzügen war es immer anstrengend ob der vielen Bücher, die mit umziehen mussten. BILLY war immer Bestandteil meiner Wohnung. Mit extra Regalbrettern und doppelt gestellten Büchern. Obwohl ich das bei meinen Eltern damals doof fand. Und das nie machen wollte. Aber auch wenn ich mittlerweile auch gelernt habe, mich von Büchern zu trennen – wenn sie in gute Hände, also von anderen Leser*innen, kommen -, so ist meine Bücherbevorratung doch noch immer so, dass ich mehrere Jahre überstehen könnte, ohne ein weiteres neues Buch zu kaufen.

Ich kann an keinem Buchladen vorbei gehen, ohne dort zu stöbern und ein Buch zu finden. Diese Woche habe ich mehr neue Bücher in meine Wohnung gebracht, als die Woche Tage hat. Und manche Bücher muss ich sofort anfangen. Andere bleiben noch etwas liegen. So kann ich jederzeit ein Buch passend zu meiner jeweiligen Stimmung aussuchen und anfangen zu lesen.

Arbeits-Lesen-Balance

Seit gut anderthalb Jahren nehme ich mir wieder mehr Zeit zum Lesen. Und es zeigt sich: Lesen können ist für mich ein guter Indikator für mein aktuelles Arbeitsstresslevel. Und dann sagt jemand in einem Gespräch, dass er jetzt endlich, nach über einem Jahr in einem neuen Job, endlich wieder überhaupt zum Lesen kommt. Und ich denke: Stimmt. War bei mir fast ähnlich so. Und wenn ich weniger oder gar nicht (in Büchern) lese, dann erinnert mich das daran, dass ich gerade viel zu viel Zeit und Energie in meinem Leben in die Arbeit stecke. Und deshalb: Wochenende. Ein Buch lesen. Wohlbefinden.