#CoronaZeiten #4

Vier Wochen Corona-Zeiten, einiges noch vor uns.

Meine Erkenntnisse der Woche:

  1. Freund*innen und Familie sind so wichtig in diesen Zeiten. Und es braucht Denken aneinander und Zeit miteinander. Das geht aber auch mit Einhaltung der Abstandsregeln. Es erfordert vor allem Zeit für ein Telefonat. Eine Postkarte, ein Brief, gar ein kleines Päckchen oder auch ein Blumenstrauß sind so wunderbare Zeichen von der Liebe, die wir einfach brauchen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und das begleitet uns in guten wie in schlechten Zeiten und stärkt uns.
  2. Früher habe ich mich immer gewundert, wenn Frauen so wenig eigenständig sichtbar waren, dass sie selbst als Witwen immer noch im Telefonbuch nur unter dem Namen des verstorbenen Gatten zu finden waren. Aber es gibt (leider) auch eine ganz moderne Ausprägung: Ehefrauen, die keine eigene Mailadresse haben, und unter der ihres Gatten kommunizieren.
  3. Frauen sind eh in diesen Zeiten noch weniger sichtbar als sonst. Die wissenschaftlichen Gremien wie die Leopoldina sind Orte, wo Frauen kaum vertreten sind. Und die Virologen scheinen nur Männer an die Spitze zu bringen.
  4. Aber auch im öffentlichen Raum sind kaum Frauen zu sehen. Wenn ich statt im Homeoffice im Büro bin und von dort mit dem ÖPNV nach Hause fahre, bin ich oft die einzige Frau, die unterwegs ist. Aber mir kommen öfter Gruppen junger Männer entgegen und ich bin froh, dass ich keine Angst habe, mich alleine im öffentlichen Raum zu bewegen.
  5. Tagesstruktur ist in diesen Zeiten genauso wichtig wie Wochenstruktur. In den Zeiten von Ostern erprobt man die 4-Tage-Woche und stellt fest, wie gut es unter den aktuellen Belastungen tut, einfach auch Zeit zu haben, die nicht für Arbeiten oder Sorgearbeit gebunden ist. Zum Beispiel Zeit fürs Nichtstun oder das Lesen. Ich komme in den letzten Wochen kaum noch zum Lesen. Das ist bei mir ein Zeichen, dass ich einfach zu viel zu tun habe. Aber Ostern bin ich endlich wieder in dem wunderschönen Roman weitergekommen, den ich vor Beginn dieser wilden Zeiten begonnen habe. Und Zeit, Balkonien aufzuhübschen, gab es auch. Endlich mehr als Arbeiten, erschöpftes Schlafen und Sorgearbeit für andere.
  6. Es tut gut, aufzuräumen und wegzuwerfen genauso wie zu kochen oder backen. Es ist schön, wenn man Dinge in andere, gute Hände gehen kann oder ein gutes Essen genießen kann. Aber wenn z.B. überfüllte Mülltonnen oder fehlende Dinge im Supermarkt ein begrenzender Faktor sind, stellt man fest, wie wichtig die „Systemerhalterinnen“ sind. Die Kolleginnen im Supermarkt, in der Nahrungsmittelindustrie, bei der Müllabfuhr, im ÖPNV, in den Verwaltungen oder im Gesundheitswesen brauchen neben verbaler Anerkennung und Wertschätzung aber in Zukunft statt warmer Worte vor allem mehr Geld für ihre Arbeit. Und da kommen wir an grundlegende Fragen, welche Arbeit wieviel Wert ist und wie sich das am Konto auswirkt.
  7. Einige in Europa fliegen lieber – schlecht bezahlte – 24-Pflegen oder Erntehelfer ein, als Menschen in humanitären Notsituationen. Der oder die Einzelne kann dagegen nur einen kleinen Teil, zum Beispiel mit der Stimme bei den nächsten Wahlen, bewegen. Aber wir können auch mit dem uns zur Verfügung stehenden Geld unsere Position deutlich machen. Ich habe meine Entscheidung für mich getroffen: ich investiere gerne Geld in den Erhalt bzw. die Rettung von Kiezkneipen oder Buchläden. Ich kaufe mehr Blumensträuße als sonst und bestelle auch Orchideen, die sonst auf dem Kompost landen würden. Aber Spargel gibt es dieses Jahr nicht.

Veröffentlicht von Margrit Zauner

Europäerin in Berlin mit großer Wienliebe und einer Leidenschaft für Bücher und Arbeit Copyright Foto: ALBBW / M. Bußmann

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