#CoronaZeiten #5

Fünf Wochen #CoronaZeiten, noch einiges vor uns.

  1. Es kommt langsam etwas Routine in die veränderten Abläufe des Alltags. Der Wechsel zwischen Homeoffice und Büro, die Tages- und Wochenstruktur, das spielt sich langsam ein. Aber gleichzeitig wird auch deutlich, was in dieser Arbeitsanordnung besonders fehlt: Das „Mal eben kurz“-Gespräch auf dem Flur, die kurze direkte Nachfrage, das miteinander am Besprechungstisch etwas diskutieren, das Gespräch in der Kantine oder der „U-Bahn-Pitch“, das ist alles anders und es braucht ein anderes Herangehen, um die vielen informellen, so wichtigen, Gespräche, zu führen.
  2. Eine Diskussion um Lockerungen, die wichtig sind, führt offenbar bei vielen zu neuer Sorglosigkeit und Rücksichtslosigkeit. Da sprechen Kanzlerin und alle Ministerpräsidentinnen eine „dringende Empfehlung“ aus, im ÖPNV und beim Einkaufen eine Alltagsmaske zu benutzen, aber es tut kaum jemand. Man redet über Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen in Wirtschaft und Öffentlichkeit, und schon trifft man auf fröhliche Ansammlungen auf dem Gehweg vorm Dönerstand oder dem improvisierten Strassenausschank der Kneipe um die Ecke. Gleichzeitig gibt ein fröhliches Vernadern von (vermeintlichen) Regelbrecherinnen und der Feiertag der Maria Denunziata aus der Tante Jolesch wird von einigen exzessiv gefeiert. Gibt es so wenig Selbstverantwortung, gibt es wirklich den Bedarf, nur dann etwas zur Bekämpfung der Pandemie zu tun, wenn es strafbewehrt staatlich verordnet wird?
  3. Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, wer mit welchen Werten und welchem Verantwortungsgefühl, mit welcher Demokratiefestigkeit schwierige Abwägungen und Entscheidungen trifft. Und auch hier wird immer deutlicher, wer nur PR macht und wer staatspolitische Verantwortung erkennt und annimmt.
  4. Wir befinden uns gerade in einem gewaltigen Feldversuch, in dem wir selbst die Versuchspersonen sind. Wir werden in einigen Jahren wissen, welche Strategien und politische Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung richtig und wichtig waren. Bis dahin können wir nur hoffen, dass wir in einem schnell lernenden Umfeld leben, das sich am besten an die sich noch unbekannten Bedingungen anpasst.
  5. Soziale Ungleichheit verstärkt sich in diesen Zeiten. Und die Bedeutung von Wohnen wird immer deutlicher. Genug Platz für jeden, ein eigener Garten oder zumindest ein Balkon sind schon immer ein wichtiger Punkt für das „Wohnwohlbefinden“, aber das haben viele nicht. Und der Satz von Heinrich Zille „Mit Wohnungen kann man Menschen erschlagen.“ gilt leider für einige immer noch. Aber auch Homeschooling ohne eigene IT und ausreichend Datenvolumen verstärkt bestehende soziale Ungleichheiten.
  6. In diesen Zeiten verstärken sich alte Rollenbilder und -wahrnehmungen. Wenn ein kurzer Tweet mit der Frage „Was trägt der Vater der Kinder der Frau von Alexander Kekule“ in der Twitterwelt breit rezipiert wird, dann verstehen offenbar viele nicht, dass einer Frau Prof. Kekule vermutlich viele empfohlen hätten, doch einfach Homeoffice und Kinderbetreuung miteinander zu verbinden, aber einem Herrn Prof. Kekule das als „führendem Virologen“ gar nicht zugemutet werden darf. Was vielleicht auch erklärt, warum wir so wenig führende Virologinnen haben, die wir in den Medien hören und sehen.
  7. Blumen, Bücher und sonst das Eine oder Andere sind wunderbare Zeichen von Freund*innenschaft und Zuneigung. Und gerade in Zeiten wie diesen tut es gut zu wissen, dass da immer noch liebe Menschen sind, die sich genauso wie man selbst auf ein reales Wiedersehen freut.

Veröffentlicht von Margrit Zauner

Europäerin in Berlin mit großer Wienliebe und einer Leidenschaft für Bücher und Arbeit Copyright Foto: ALBBW / M. Bußmann

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