#CoronaZeiten #6

Sechs Wochen #CoronaZeiten, noch einiges vor uns

  1. Der Stellenwert von Fachwissen, das Einordnen von Fakten und die Verbindung mit politischen Handlungen wird zunehmend komplexer. Während die Operation #FlattenTheCurve zunächst mit viel Disziplin der allermeisten gelungen scheint, wächst mit zunehmender Dauer dieser Situation die Zahl derer, die nach Lesen von zwei, drei Posts und dem Ansehen eines YouTube-Videos genau wissen, was man tun muss. Das „Bundestrainer-Phänomen“ scheint sich mangels Fussballspielen auf Corona-Bewältigungsstrategien verlagert zu haben. Gleichzeitig wird im Kreis der Ministerpräsidenten offenbar ein Kandidatenwettkanpf ausgefochten, der mich ratlos zurücklässt. Und wütend macht, wenn Ministerpräsidenten Lockerungsmassnahmen mit Expertenrat von Wahlkampfspendern verkünden oder eine PR-Agentur Wissenschaftskommunikation mit Storyboard nach politischen Zielen für eine Studie betreibt.
  2. Das Schwierigere nach einer Phase von Restriktionen scheinen die Lockerungen zu sein – beziehungsweise nach einem harten Stop ein vorsichtiges „Wiederanfahren“. Der Glaube, dass die Wochen des aktuellen Lockdown ausreichen würden, um die Pandemie vollständig zu bekämpfen wird verbunden mit einer Debatte, in der das Ziel „Leben retten“ hinter das Ziel „mein Leben retten“ zurückzutreten scheint. Jüngere scheinen zu meinen, nur Ältere würden sterben und die Zeit der Rücksichtnahme ist vorbei. Die Spaltungen der Gesellschaft, die Trennung in wichtig und unwichtig, die Wertigkeiten verändern sich.
  3. Männer scheinen unbesiegbar. Deshalb können sie zum Beispiel auf Mund-Nasen-Schutz im ÖPNV verzichten und machen es bestenfalls, wenn Strafe droht. Es wird Eigenverantwortung gefordert, aber das eigene Tun erst verändert, wenn es strafbewehrt ist. Wenn die Folgen dieser Haltung nur von denen zu tragen wäre, die ihre Freiheit fordern, wäre es zwar tragisch – so wie Boris Johnson seine Sorglosigkeit mit einem schweren Verlauf von Covid-19 samt Aufenthalt auf der Intensivstation „büßen“ musste – aber abgesehen von den Kosten für alle, die das finanzieren und den Risiken, die die im Gesundheitssystem Tätigen dafür tragen müssen, schadet es eben Anderen, die deshalb ein mitunter (in dieser Form) unnötiges erhebliches Risiko tragen müssen.
  4. Wenn man in einem durchgetaktetem Leben Urlaube und Kulturveranstaltungen längerfristig plant, ist es schade, wenn plötzlich alles anders ist. Wenn schon die zweite Reise, die im letzten Jahr geplant und gebucht wurde, die Vorfreude in Arbeit übergeht, sich um die finanzielle Re-Abwicklung zu kümmern. Wenn Konzerte, auf die man sich Ende April gefreut hat, plötzlich mit neuen Daten im Dezember auftauchen und man vor allem damit zu tun hat, den Überblick zu behalten.
  5. Wenn man gerne liest, aber mit all der Arbeit zu erschöpft ist, das gerade erreichte persönliche „Lesetempo“ für ein Buch, das auch ein Indikator des persönlichen Stresslevels ist, zu halten, freut man sich auch, wenn man überhaupt wieder zum Lesen kommt und sich in ein wunderbares Buch vertieft und sogar ausliest. Mit diesem schönen Gefühl, etwas geschenkt bekommen zu haben, was eine in der kommenden Zeit als Gedanken begleitet.
  6. Wenn man einen Balkon, eine Terasse oder einen Garten hat, dann hat man einen wichtigen Kraftquell. Ein wenig in der Erde herumwühlen und einfach nur inmitten des eigenen Grüns zu sitzen, ist so wunderbar.
  7. Es ist wichtig, mit sich und seinem Leben, seinen Lieben und seiner Wohnung im Reinen zu sein. Und trotzdem fehlt zunehmend der Abend mit einem lieben Freund mit einem guten Essen im Restaurant und gutem Gespräch genauso wie der Ausflug mit der lieben Freundin oder der Bummel durch die Innenstadt. Bei allem Digitalem – Reales ist auch wichtig.

Veröffentlicht von Margrit Zauner

Europäerin in Berlin mit großer Wienliebe und einer Leidenschaft für Bücher und Arbeit Copyright Foto: ALBBW / M. Bußmann

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