#MeghanHarryOnOprah #Megxit II #TrustAndTruth

Königsfamilien, zumal die englische, sind mehr als Stoff für bunte Blätter und Klatsch. Es gibt diese Seite, die insbesondere das öffentliche Erscheinen seiner weiblichen Mitglieder auf Kleidungsbeschreibung und -kritik reduziert, aber auch das fortwährende Gefühl an einer langandauernden frühen Form von Königs-BigBrother teilzunehmen, weil das Privatleben aller seiner Mitglieder der Stoff und der Umsatz der Boulevardpresse ist. Die 80iger und 90iger Jahre, in denen nach den Märchenhochzeiten der Königinnenkinder jegliche Privatheit, von Kosenamen über nächtliches Geliebtengeflüster bis hin zur Instrumentalisierung der Presse im Krieg der Walses erlaubt schien, sind hier ein Schritt der Vergesellschaftung ihres Lebens damit sie die Finanzierung ihres Lebensunterhaltes durch Steuern oder den Sovereign Grant verdienen – und einige Medienunternehmen privat damit Kasse machen.

Wer The Crown sieht, merkt, dass vieles nicht neu ist (Eifersüchteleien, Eheprobleme), wohl aber der Kreis derer, die darüber Bescheid wissen (zu glauben) weit größer geworden ist. Und ich gebe zu, ich habe erst durch The Crown die Princess Royal, Anne, „entdeckt“ und finde, sie hat einen bemerkenswerten Weg schon in den 70igern gefunden, um königliche Pflichten und privates Leben für sich (und ihre Kinder) zu vereinbaren. Mein persönlicher Tipp dazu ist diese aktuelle Dokumentation: https://youtu.be/93C1nQzS2us

Jede Generation scheint aber doch sowohl Geschichten früherer Generationen zu wiederholen, als auch sie in der aktuellen Zeit neu zu erzählen.

Die Geschichte zweier Brüder, ihr Verhältnis zueinander, ihre Rolle in der Monarchie und ihr Verständnis damit umzugehen, wird gerade an den Prinzen William und Harry scheinbar neu erzählt. Alt bleibt die Tatsache, dass ihrer beider Vater, der Prince of Wales, der 72-jährig immer noch darauf wartet, seiner 94-jährigen Mutter in der Königsrolle zu folgen, in jedem Fall öffentlich der zu sein scheint, der nichts richtig macht.

Das 2-stündige Interview, in dem Meghan unter zeitweiliger Begleitung von Harry einem weltweiten Millionenpublikum auf die freundlichen Fragen von Oprah Winfrey, ihre Wahrheit verkündet, stellt eine Seite, ihre, dar, wissend, dass die königliche Familie sich nicht zum Interview mit Jeffrey Paxmann setzen wird, um dort ihre zu verkünden (abgesehen davon, dass jemand wie Paxmann viel öfter nachfragt und Fakten checkt).

Die mediale Debatte diesseits und jenseits des Atlantiks ebenso wie die in den sozialen Medien teilt sich #TeamQueen und #TeamMeghan, schon weil die Vorwürfe in einer Empörungsgesellschaft gar nicht anders als richtig sein können, oder? Und weil jedeR, der/die noch nicht die Erleuchtung des Meghan-Weges gefunden, noch so lange gezwungen werden muss, bis er Abbitte leistet und alles zugibt?

Es gibt im UK interessante Beiträge von PoC, die sehr eindrucksvoll beschreiben, wie sie dank der Unterstützung und Förderung des Prinz of Wales in die zentralen Positionen der britischen Gesellschaft gelangt sind. Es gibt den Hinweis, dass die nun jenseits des Atlantiks angefachte Rassismus-Debatte die im UK erreichten Fortschritte zurückwirft. (z.B. https://www.thetimes.co.uk/article/meghan-and-harry-blew-the-chance-for-royal-renewal-xdhl3prs7?shareToken=9e3a484f9ba759610de495263e1dee75&s=08)

Und es gibt eine Frage, wie man mit solcherart Problemen in einer Familie umgeht. Respektiert man den Wunsch, es im privaten miteinander diskutieren oder bekommt man nach jedem privaten Gespräch über die Medien z.B. ausgerichtet, dass die Gespräche bisher „unproduktiv“ gewesen seien.

Geht es um (mehr) Geld aus der königlichen Schatulle? Geht es um das siegreiche Narrativ? Geht es um persönliche Eitelkeiten derer, die andere des Neid bezichtigen?

Jedenfalls bleibt es verwunderlich, wenn ein Paar, dass seine Privatsphäre schützen will, ohne Skrupel die Privatsphäre anderer Familienmitglieder verletzt. Es bleibt die Frage, wie lange sich die Welt für die gut inszenierte Opferrolle eines pensionierten britischen Offiziers und einer amerikanischen Serienschauspielerin interessiert, ob sie es schaffen, auch andere Themen zu pushen, und ob sie in einigen Jahren noch sehr glücklich damit sind, diese Büchse der Pandora geöffnet zu haben.

Vielleicht hilft es bei der Beurteilung von öffentlich getätigten Aussagen, sie mit eigenen Erfahrungen zu überprüfen. Und wenn Gayle King aus ihren eigenen Erfahrungen mit einer freundlichen Meghan meint begründen zu können, dass jeglicher Vorwurf gegen sie, sich Mitarbeitenden gegenüber so verhalten zu haben, dass diese heulend letztlich ihren Job aufgegeben haben, die Grundlage fehlt, dann kann ich sagen: wenn sich jemand auf gleicher Ebene oder bei jemandem, den man für sich gewinnen will, freundlich verhält, sagt das überhaupt nichts über sein Verhalten „Untergebenen“ gegenüber aus. Ich weiß das aus eigener, leidvoller Erfahrung. Aber wer sich beim Prinzip „Aussage gegen Aussage“ darauf beruft recht zu haben, weil man in der unterlegenen Position sei, die muss das auch bei Vorwürfen von Mitarbeitenden gegen sich selbst gelten lassen.

In meiner Kommunalpolitikzeit kommentierte einmal jemand die öffentlich ausgelebte Midlife-Crisis eines CDU-Stadtrats mit zeitweiliger Veränderung seines Zuhauses mit dem Satz „Privatleben zeichnet sich dadurch aus, dass es privat ist.“ Und wenn eine Familie, deren sämtliche privaten Familienereignisse von Geburten, Taufen, Hochzeiten, Seitensprüngen, Trennungen und Scheidungen weltweit genau so bekannt sind wie die der eigenen Familie, ein gewisses Interesse hat, miteinander über private Fragen zu reden, dann ist das grundsätzlich für mich nachvollziehbar. Offenbar aber nicht für alle.

Ansonsten schätze ich diesen trockenen Humor der Queen, der in diesen pandemischen Zeiten mit Video-Calls für alle Interessierten zu sehen ist. Wie sagte sie kürzlich in einem Gespräch über Juri Gagarin anlässlich der British Science Week darüber wie aufregend es ist, als erster in fremde Welten zu fliegen: “Well, yes – and if you could come back again. That’s very important.”

Veröffentlicht von Margrit Zauner

Europäerin in Berlin mit großer Wienliebe und einer Leidenschaft für Bücher und Arbeit Copyright Foto: ALBBW / M. Bußmann

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