Hervorgehoben

Beim Schreiben kommen die Gedanken zusammen

Es gibt nichts Gutes – außer man tut es

Ich habe da mal was aufgeschrieben….

… denn es gibt immer wieder Gedanken, für die 240 Zeichen oder ein Facebook-Post zu wenig ist. Diese Texte sind persönlich, enthalten eigene Meinung und bilden eine aktuelle Einschätzung eines Themas, eine Beobachtung oder eine Geschichte ab, die es mir wert ist, in diesem Internet veröffentlicht zu werden. Sie sind zum Lesen, sollen andere zum Schmunzeln oder Nachdenken bringen und können gerne zitiert werden. Wenn jemand anders damit Geld verdient, oder das ohne meine ausdrückliche Zustimmung für kommerzielle oder politische Zwecke nutzt, dann gelten die Regeln des Urheberrechts.

Ich bin Europäerin, die in Berlin lebt und Wien liebt, liebe Bücher und spitze Bemerkungen, arbeite seit vielen Jahren für die Arbeit und die Berufsbildung und versuche auch ein Leben jenseits der Arbeit zu führen, was mir mal mehr und mal weniger gut gelingt.

#CoronaZeiten #16

Sechzehn Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

1. Nachdem am Beginn Mitgefühl und Solidarität neben dem Erkunden, was unter den Bedingungen dieser Pandemie (noch) möglich ist, im Vordergrund standen, haben nun scheinbar für sehr viele nur das eigene Wohlergehen und die Besserwisserei einen deutlich höheren Stellenwert.

2. #mitMaske ist zunächst einmal Respekt vor den anderen. Aber es funktioniert nur, wenn (möglichst) alle mitmachen. Und während zum Glück viele dieses Stück Stoff als das Must-Have dieses Sommers sehen, finden immer noch genug, diese Einschränkung ihrer Freiheit wäre so gravierend, dass man darauf verzichten müsse.

3. Wer keine Maskenpflicht im Einzelhandel will, weil das Einkaufserlebnis so behindert sei, der schließt alle, die sich nicht sicher fühlen, wenn nicht alle eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, vom Einkaufen aus, denn die werden lieber online kaufen als in Geschäfte zu gehen.

4. Es fehlt uns noch eine neue Balance. Und es bleibt die Frage, wie wir in Zeiten von Abstand halten gut eine enge Beziehung zu anderen Menschen halten oder neu aufbauen können.

5. Zum Glück ist es Sommer und man draußen Freund*innen treffen, gemeinsam essen oder sich dort vom Alltag erholen.

6. Es braucht Zeit, sich von der enormen Anspannung, von den Herausforderungen, die jede*r meistern musste, zu erholen.

7. Es braucht auch Zeit, sich um all das zu kümmern, wofür in den letzten Monaten keine Zeit und keine Energie war. Es braucht Urlaub in dem Sinne, dass man aus der Tretmühle des Alltags kommt.

#CoronaZeiten #15

Fünfzehn Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

1. Der Paradigmenwechsel lässt sich in Berlin am Namenswechsel von der Eindämmungs-Verordnung zur Infektionsschutz-Verordnung ablesen. Anstatt eigentlich alles zu verbieten ausser dem was ausdrücklich erlaubt ist, ist jetzt bei Einhaltung der infektionsschutzbedingten Einschränkungen alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Und man fragt sich, ob man aus Gründen des Selbstschutzes nicht noch vorsichtiger sein sollte, weil genug Menschen glauben, ein Virus über Aereosole mit Willenskraft oder Glauben nicht übertragen zu können.
2. Was bitte ist so schwer und schlimm daran, anderen Respekt zu erweisen und zum Fremdschutz eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen? Ein Kinnschutz, der erst bei einer bußgeldbewährten Kontrolle hochgezogen wird ist genauso respektlos wie die Variante, a la Laschet die Nase nicht zu bedecken. Das machen besonders oft Männer. Warum nur?
3. Urlaub in #CoronaZeiten ist etwas Besonderes und Anderes. 2020 sollte für mich ein lange vorbereitetes und geplantes abwechslungsreiches und schönes Reisejahr werden. Der Rhein, Norwegen und England, die Salzburger Festspiele standen bis September am Programm. Alles schon durch den Veranstalter abgesagt – teilweise mit einigen Problemen, das schon gezahlte Geld sofort zurück zu bekommen – oder nicht die Möglichkeit genutzt, beim Ersatzprogramm auszuprobieren, wie Theater 2020 unter Hygieneregeln  stattfindet, wenn es nicht doch kurzfristig wieder abgesagt wird. Es wird wohl eher ein Reisejahr mit kurzfristigen Entscheidungen. Das Geld investiere ich etwas anders: zum Beispiel beim Optiker des Vertrauens oder in das eine oder andere schöne Stück für daheim. Ich merke, dass ich mich neu auf die  veränderten Bedingungen einstellen muss und nicht einfach da anknüpfen kann, wo ich Anfang des Jahres war. Und dazu brauche ich Zeit, um für mich etwas zu finden, dass „passt“.
4. Es ist beruhigend, dass ich eher Leute kenne, die ich wie ich in #CoronaZeiten keine aufgeräumteren Wohnungen, sondern eher noch mehr liegengebliebene Hausarbeit haben. Egal wo man gearbeitet hat, ob im Büro oder im Homeoffice, es war fordernd und anstrengend. Und es bleibt die leichte Hoffnung, dass es in den kommenden Wochen etwas lockerer wird. Aber wenn die Lockerungen zu groß sein sollten, dann wird nicht lockerer bei der Arbeit sondern noch anstrengender.
5. Was schön ist, ist liebe Menschen beim Essen draußen zu treffen und dabei zu reden. Das hat mir wirklich gefehlt und ist echte Lebensqualität.
6. Es kann jederzeit wieder sehr nah kommen mit dem Virus: wenn es einen Verdachtsfall im beruflichen oder privaten Umfeld gibt. Dann kommen alle Sorgen und Ängste hoch und es braucht viel Kommunikation.
7. Bücher und Blumen machen das Leben schön. Man kann nie genug davon haben.

#CoronaZeiten #14

Vierzehn Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns:

  1. Nachdem es bisher immer länger und mehr Licht am Tage gab, wird es nach Mittsommar ab heute weniger. Es wird wärmer und die Zahl der im ÖPNV getragenen Mund-Nasen-Bedeckungen nimmt immer weiter ab. Als ich etwas später am Abend unterwegs war, traf ich auf überwiegend junge, überwiegend männliche, Maskenverweigerer, die in größeren Gruppen unterwegs waren und wie selbstverständlich den gesamten Raum im U-Bahn-Waggon in Beschlag nahmen. Es gibt aber auch immer wieder Erfahrungen wo man auf sehr disziplinierte Mitmenschen trifft, die ihren Mitmenschen den Respekt erweisen, natürlich eine Maske zu tragen. Aber insgesamt nimmt die Bereitschaft dazu ab – und es doch weiter geboten.
  2. Diese Woche bin ich erstmals seit langem wieder in der S-Bahn kontrolliert worden und musste meinen Fahrschein zeigen. Die Kontrolleure trugen selbst Maske, kontrollierten aber auch ungerührt den Fahrschein des Mannes ohne Maske ohne weitere Reaktion oder Ansprache. Ein Zeichen von neuer Normalität und einem wieder veränderten Terminplan. Aber schließlich habe ich eine Jahreskarte.
  3. Es war eine Woche des Übergangs zurück zu einer anderen Zeitstruktur, die wieder überwiegend im Büro stattfindet. Da aber Besprechungen immer noch überwiegend so stattfinden (sollen und müssen), dass nur wenige Menschen zusammen in einem Raum sind, gibt es andere Erfahrungen der Kommunikation. Aber auch verstärkt die Möglichkeit, zumindest mit einzelnen Personen wieder die ganze Bandbreite der Kommunikation zu erleben.
  4. Passend zu diesem Zeitpunkt habe ich im Büro endlich dank einer Webcam die Möglichkeit, an Videokonferenzen teilzunehmen. Wie gut, wenn man mit leerer Keksdose und Buch die Kamera auf dem Besprechungstisch einfach und schnell auf Augenhöhe bekommt und beim Check des Bildhintergrunds auch das richtige Bild vermitteln kann. Und schön, wenn es einfach verfügbar ist und man nicht mehr auf das Handy und Tablet als Medium dafür angewiesen ist.
  5. Mein Highlight diese Woche war es, im Rahmen einer Onlinekonferenz mit über 200 Teilnehmenden digital einen Digital-Wettbewerb im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Vertreter*innen aus Beijing und Moskau zu eröffnen. Es ist gut, dass ich beide Städte schon dienstlich besuchen konnte – und nicht nur auf das Digitale angewiesen bin. Aber in diesen Zeiten ist es auch gut, miteinander digital verbunden zu sein. Es ist ein Ausblick auf eine neue Normalität, in der das Wort „Hybrid“ am besten beschreibt, wie man die mehr Möglichkeiten am besten nutzt.
  6. Wenn man sich wieder sehen kann, gibt es auch die Möglichkeit, miteinander in den letzten Wochen aus der Verknappung der Kommunikationswege entstandene Missverständnisse auszuräumen. Und auch das zeigt, dass ein nur über Telkos oder Mail laufende Zusammenarbeit auch Missverständnisse über die Absichten des anderen hervorbringen kann, die man in einem persönlichen Gespräch wieder ausräumen kann (und muss,).
  7. Rituale, um die in Zeiten von Homeoffice und Urlaub Zuhause zusätzlichen Nutzung des privaten Raum Grenzen zu ziehen und Erholung zu ermöglichen, sind wichtig. Und wie gut, dass ich solche Rituale schon lange praktiziere. Sei es ein unterschiedliches Frühstück an Arbeitstagen (Müsli) und arbeitsfreien Tagen (Marmeladebrötchen) oder ein unterschiedlicher Kleidungsstyle. Aber das in diversen Ratgeberartikeln zu „Urlaub Zuhause“ als Tipp zu finden, ist auch nett.

#CoronaZeiten #13

Dreizehn Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

  1. Anstatt dass man sich freut, dass es in Deutschland bisher im Vergleich zu anderen Ländern noch ziemlich glimpflich zugegangen ist, scheint das Präventionsparadox voll zu wirken. Und zeigte sich am Anfang noch eine breite Bereitschaft, auch zu Gunsten von vulnerablen Gruppen einen eigenen Beitrag zum Schutz anderer zu leisten, zum Beispiel durch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, so lässt das wieder deutlich nach. Ebenso sinkt die Rücksicht von Arbeitgebern auf besondere Belastungen wie gesundheitliche Einschränkungen, die nur zu Corona-Zeiten die Arbeitsfähigkeit vor Ort, aber nicht im Homeoffice einschränken, oder Kinderbetreuungserfordernisse zu berücksichtigen. Besonders dann, wenn die (Spitzen) Führungskräfte selbst davon nicht mit zusätzlichen Belastungen betroffen sind, glauben sie, die Belastungen wären wieder Privatsache
    2.Gleichzeitig steigt aber im Zuge der Anpassungsstrategien der Druck in einigen Organisationen, vom Homeoffice zum Präsenzdienst zurückzukehren. Und so trifft man auf neue Diskussionen – einige Organisationen, die ihre Mitarbeitenden teilweise bis Jahresende komplett ins Homeoffice schicken und die dafür erforderliche Technik bereitstellen und andere, die dem Glaubenssatz huldigen, nur im Büro würde wirklich gearbeitet. Dabei gibt es oft genug nur zuwenig Möglichkeiten und Bereitschaft von Führungskräften, orientiert an den Aufgaben einen passenden Mix von Anwesenheit vor Ort mit Homeoffice zu finden.
  2. Wer die letzten Wochen Revue passieren lässt, der wird feststellen, dass es mehr auf den einzelnen Menschen ankommt als nur auf formale Strukturen. Es braucht die richtigen Menschen auf den richtigen Positionen. Eine besondere Herausforderung für durchgeregelte Organisationen wie Verwaltungen. Es braucht aber auch eine andere Kultur des Vertrauens. Gleichzeitig brauchen auch agile Strukturen, die gerade für besondere Herausforderungen geeignet sind, Schutz und Sicherheit für die Beschäftigten, Entwickungsmöglichkeiten auch beim Entgelt und Anerkennung der erworbenen Qualifikationen.
  3. Wir brauchen eine neue Form von hybriden Sitzungen, Veranstaltungen und Diskussionen. Dabei müssen alle einbezogen werden; es braucht eine andere Kompetenz der Moderation und eine andere Form der Kommunikation.
  4. Hatte ich schon erwähnt, dass ich viele tolle, engagierte und hochmotivierte Kolleg*innen in meiner Abteilung habe? Und auch wenn einige andere meinen, Mitarbeitende des öffentlichen Dienstes mit Stereotypen anfeinden zu müssen – vielleicht sollten wir mehr zeigen, was wir Spannendes machen und dabei häufig weit länger arbeiten als es die tarifliche Arbeitszeit vorsieht.
  5. Die Stummtaste am Telefon hat ihre zentrale Bedeutung in den letzten Wochen gezeigt. Wer noch nicht wusste, wo sie ist – jetzt wissen alle, das sie in Telefonkonferenzen zum Arbeiten und guten Zuhören unerlässlich ist. Und wenn man Sitzungen folgt, kann man im Zweifelsfall auch mal schallend lachen, wenn Vortragende seltsame Dinge erzählen.
  6. Es ist Sommer. Es ist so warm, dass man auch abends auf dem Balkon sitzen kann. Das entschädigt ein wenig für die viele Arbeit, die es immer noch gibt, um Konzertkarten oder geplante Reisen rückabzuwickeln.
  7. Es soll ja Leute geben, die nach diesem Lockdown eine aufgeräumte Wohnung und einen leeren privaten Schreibtisch haben. Ich für meinen Teil habe noch weniger Zeit als sonst für Hausarbeit, aber ich freue mich auf den Mehrzeitausgleich, um das im wahrsten Sinne des Wortes Liegengebliebene demnächst endlich zu erledigen.

#CoronaZeiten #12

Zwölf Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns.

  1. It’s the Economy, stupid. Aber eher in dem Sinne, dass Keynes (endlich) wieder Beachtung findet. Wenn plötzlich statt der „schwäbischen Hausfrau“ das „schwäbische KMU“ als Versinnbildlichung der richtigen Strategie durch die „Wirtschaftsweisen“ propagiert wird, die GroKo mit Wumms ein Konjunkturpaket schnürt, das nicht einfach nur die bedient, die am Althergebrachten hängen und lieber Autos wie immer bauen statt die Gestaltung der mobilen Zukunft anzugehen und die Schuldenbremse und „schwarze Null“ die erforderlichen Programme verhindern würden, die es braucht, um Wohlstand auch in der Zukunft zu erhalten, dann hat sich viel getan. Und ich bin sehr froh, dass ich nach einer neoliberalen Verengung des wirtschaftspolitischen Diskurses wieder eine Offenheit für Lösungen da ist, die auch wirklich helfen statt nur zu behaupten, das sie es täten.
  2. Allerorten die „dringende Empfehlung“, Abstand zu halten und zum Beispiel im ÖPNV Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Und die Lockerungen führen dazu, dass wieder weniger ihren Beitrag zum Schutz der anderen leisten und glauben, Aerosole ließen sich durch Willenskraft, Wegbier oder die eigenen Tattoos davon abhalten, das Virus weiter zu tragen und wieder mehr Menschen anzustecken. Und am Ende sterben Menschen. 15 von ihnen hat die ZEIT porträtiert. Und sie und alle anderen Toten haben eine Lücke hinterlassen, die zu früh gerissen wurde.
  3. Es gibt wieder mehr Präsenztermine und Möglichkeiten zum direkten Gespräch. Und ja, selbst mit Abstandsregeln ist es nach Wochen der Telko-Kommunikation eine gute Erfahrung, wieder miteinander in einem Raum zu reden und Lösungen für Probleme zu suchen. Gleichzeitig gibt es die Erfahrung, dass man gut auf überflüssige Sitzungen und Machtdemonstrationen Einzelner verzichten kann und wir am Ende zu einem sinnvollen Mix kommen müssen. Und wieder verantwortungsvoller mit der eigenen Zeit und der anderer umgehen. Und dabei und damit jeden und jeder auch eine neue Balance von Erwerbs- und Sorgearbeit zu ermöglichen. Das setzt neben 5G an jeder Milchkanne auch mehr Fähigkeiten von Selbstorganisation und Abgrenzung des Privaten vom Beruflichen für alle voraus. Und genug Möglichkeiten des Austauschs und der gemeinsamen Interessensvertretung, denn der Grundwiderspruch von Kapital und Arbeit ist weder im Homeoffice noch mlt der Digitalisierung aufgehoben – im Gegenteil.
  4. Eigentlich wäre ich letzten Sonntag in München bei einem tollen Konzert von Eric Clapton und am Donnerstag in Hannover bei einem ebenso tollen Konzert von Paul McCartney gewesen. Ich habe die Möglichkeit der Stornierung der Karten für die Salzburger Festspiele genutzt und diverse Theater- und Konzertkarten entweder mit einiger Arbeit umorganisiert oder auch die Erstattung überwachen müssen. Dabei ist immer die Vorverkaufsgebühr verloren gewesen, es gab zusätzliche Kosten für die Rückerstattung. Das Geld kommt auch hier nicht bei den Künstler*innen oder Veranstaltungsorten an. Aber Eventim verdient weiter seinen Teil. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es in Zukunft weitergeht.
  5. Es tut gut, Menschen um sich zu haben, die in Notsituationen einfach mal helfen, wenn unverhoffte Probleme auftreten.
  6. Endlich hat eine Doku im ORF die mich immer mal wieder beschäftigende Frage nach Liebe und Sex in Corona-Zeiten beantwortet. Scheidungsanwält*innen und Hebammen und alles, was noch so dazu gehört, werden in den kommenden Monaten viel zu tun haben.
  7. Blumen bleiben wichtig für das eigene Wohlbefinden. Genauso wie Balkonien.

#CoronaZeiten #11

Elf Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

  1. Die ersten fünf Monate des Jahres kommen einer im Rückblick surreal vor. Vom Shutdown zu Lockerungen, von Solidarität mit vulnerablen Gruppen zu Egoismus, von Verständnis für eine veränderte Welt zu Meckereien, weil nicht nach den ersten Lockerungen gleich alles so funktioniert wie vorher.
  2. Corona zeigt sehr deutlich, wie fragil eine gesellschaftliche Entwicklung ist, die von Gleichberechtigung und Respekt getragen ist. Nachdem während des Shutdown noch Pflegekräfte beklatscht, Verkäuferinnen freundlich behandelt und Eltern mit Kindern angesichts fehlender Kinderbetreuung und Schule auf Verständnis hoffen konnten, führt die Diskussion um Lockerungen zu politischen Diskussionen über die Aussetzung der Mindestlohnerhöhung und über erforderliche Anwesenheiten am Ort des Arbeitgebers zu einem Backlash, der statt des Ergebnisses der Arbeit den Ort der Erbringung der Arbeit in dem Vordergrund stellt.
  3. Wer meint, der Markt regele alles, sollte spätestens im letzten Vierteljahr gelernt haben, dass Staat mehr ist: Wer Steuern und Sozialversicherung bezahlt, kann in schlechten Zeiten wie diesen auch auf Unterstützung zurückgreifen. Da gibt es genug Krankenhausbetten oder Staatshilfen, um durch den Shutdown zu kommen. Und dann gibt es das Präventionsparadoxon, dass die auf einem funktionierenden Gemeinwesen beruhenden Leistungen kleingeredet und man kritisiert, warum man für seine spezifische Problemlage nicht noch mehr Hilfe bekommen habe.
  4. Männer scheinen in Zeiten von Homeoffice, Telefon- und Videokonferenzen und einer anderen Sitzungskultur die Möglichkeit, sich in Sitzungen besonders produzieren zu können, besonders zu vermissen und deshalb besonders laut nach Präsenzsitzungen zu rufen. Dabei ist es Ihnen egal, wenn sie vulnerable Gruppen oder Menschen mit erhöhter Sorgearbeitsverpflichtung von der Teilhabe ausschließen.
  5. Arbeitsschutz ist plötzlich stärker im Fokus denn je – aber besonders der, sich auf technische oder bauliche Lösungen fokussiert. Die psychische Belastungen sind oft genauso wenig im Blick wie die Sorgearbeit im Zeitverwendungsbudget – und die geschlechtsspezifischen Unterschiede dabei.
  6. Es gab und gibt eine neue Spaltung: zwischen denen, die egal wo sie tun, so viel arbeiten, dass sie weder genug Zeit für Pausen noch für Sorgearbeit haben und denen, denen so langweilig ist, dass sie die Zeit des Homeoffice als zusätzliche Urlaubszeit mit Langweilefaktor betrachten. Und wenn sie jetzt wieder häufiger am Arbeitsplatz aufeinandertreffen, gibt es neue Diskussionen und Frustationen.
  7. Blumen und Freund*innen sind noch wichtiger als vorher. Und ein Abend, an dem man zusammen sitzt, zusammen isst und ratscht, ist umso schöner, wenn man es draußen tun kann und weder vor Areosolen noch vor sonstigen Ansteckungswegen Angst haben muss.

Präsentismus in #CoronaZeiten. Über Lockerungen, Rücksichtslosigkeiten und Kommunikation

Zehn Wochen Homeoffice für die Schreibtischarbeitenden und statt Präsenzsitzungen Telefon- und Videokonferenzen. Flächendeckende Erfahrungen mit mobilem Arbeiten, teilweise deutlich erschwert durch fehlende technische Infrastruktur der Unternehmen und Verwaltungen.

Die Bedeutung von Worten wie Bandbreite oder VPN-Tunnel haben sich plötzlich sehr viel mehr Menschen erschlossen, das Bullshit-Bingo der Telefonkonferenzen können viele spielen. Die Vor- und Nachteile von betrieblichen IT-Strategien mit der Grundsatzentscheidung Bring-your-own-device zuzulassen oder streng aus Gründen der IT-Sicherheit die dienstliche Nutzung privater Endgeräte auszuschließen sind plötzlich keine abstrakten Diskussionen mehr, sondern in ihren Auswirkungen auf die eigene Arbeitsfähigkeit sehr gravierend. Die Frage, wie man deshalb an Kommunikation mit Partnern ausserhalb der eigenen Strukturen teilhaben kann, gewinnt plötzlich eine völlig neue Bedeutung.

Die Systemrelevanz des häuslichen WLAN und die Wichtigkeit der Ergonomie der verwandten mobilen Endgeräte haben viele im Selbstversuch in einer anderen Tiefe erfahren. Die Erweiterung der Führungsaufgaben und -kompetenzen um Kommunikation auf Distanz und in einem System von Telefon- oder Videokonferenzen erfolgt aus dem Leben und im Learning-by-Doing und verunsichert die, an ein regelhaftes System von Schulungen gewöhnt sind, bevor eine neue Version oder ein Tool in der Organisation implementiert wird.

Fragen des Arbeitsschutzes haben in Corona-Zeiten eine neue Bedeutung bekommen. Abstands- und Hygieneregeln umzusetzen ist das eine – die Fragen der physischen Belastungen und ihr Ausgleich sind dagegen kaum im Blick. Was bedeutet es an Belastungen, ganze Arbeitstage in Telefon- und Videokonferenzen zu verbringen, parallel den Mailverkehr abzuarbeiten und sich auf ganz andere Formen der Kommunikation einzustellen?

Aufgrund der regelhaften Beschränkungen und unterschiedlichen Strukturen und Kulturen bildet sich gerade eine neue Dichotomie der Diskussion heraus – zwischen Präsentisten und Digitalen.

Wer der Meinung ist, „richtige“ Arbeitsergebnisse kann man nur erzielen, wenn alle Mitarbeitenden körperlich im Büro wie an einer Werkbank in der Fabrikhalle präsent sind, sieht die Lockerungen und den Übergang zu einem „neuen Normalbetrieb“ freudig als Rückkehr zu einer guten alten Zeit, wie sie vor Corona war. Der erwartet ohne Rücksicht auf Beschäftigte, die zehn Wochen Homeoffice und Homeschooling wuppen mussten, und in vielen Organisationen gebildete neue Arbeits- und Kommunikationsstrukturen Präsenz in Büros, die nicht nur Einzelzimmer sind, keine Wegeregelungen auf den Begegnungsräumen im Flur haben, ignoriert neue Erfordernisse an Sitzungs- und Austauschformate, und erwartet, dass die Vereinbarkeit von Beruf, Wegezeiten und Sorgearbeit in Zukunft so privat ist, dass der Ablauf im Büro davon nicht gestört ist. Der will sich keine Gedanken darüber machen, wie vulnerable Gruppen in eine neue Arbeitskultur integriert werden können. Der besteht auf Präsenzsitzungen und behandelt die, die „dazu geschaltet“ sind wie Warmduscher, die weil körperlich nicht im Raum anwesend, auch nicht respektvoll behandelt werden müssen und kaut fröhlich endlich wieder sein Sitzungsbrötchen und redet am Mikro vorbei. Der unterstellt denen, die im Homeoffice arbeiten, dass sie dort eben nichts gearbeitet hätten und begrüßt sie am nächsten Bürotag mit der Frage, wie denn der Urlaub gestern Zuhause war.

Dabei ist klar, dass eine neue, digitale Arbeitskultur noch viele Herausforderungen zu bewältigen hat. Die Anforderungen an Führungskräfte steigen, denn man muss anders motivieren und kommunizieren, man muss mit Störungen anders umgehen und die Arbeitsergebnisse anders einfordern und bewerten. Die digitale Spaltung, die Unterschiedlichkeit der Mitarbeitenden im Umgang mit IT und Selbstorganisation sind neue Herausforderungen. Kommunikationsprozesse in und ausserhalb der eigenen Strukturen unterliegen anderen Anforderungen, formelle und vor allem die so wichtige informelle Kommunikation müssen anders organisiert werden.

Wir müssen eine neue Balance finden zwischen Formen der Präsenzarbeit und der digitalen Arbeit und Kommunikation. Es könnte eine Chance sein. Es ist aber auch ein Risiko, dass ein Präsenzethos mit Anforderungen an zeitliche und örtliche Verfügbarkeit neue und zusätzliche Exklusionsmechanismen etabliert wird, an deren Ende All-Male-Boards noch normaler werden.

Es geht um Zeit, es geht um die Akzeptanz der Vielfalt von Lebenssituationen, es geht um Zugang und Verfügbarkeit von Unterstützungsstrukturen und es geht um Macht. Und es geht darum, wie die Arbeitswelt und die Gesellschaft in den kommenden Jahren aussehen. Es gibt viel zu tun.

#CoronaZeiten #10


Zehn Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

  1. Die NYT hat auf der Titelseite 1.000 Namen, eng bedruckt, veröffentlicht. 1%der Corona-Toten in den USA. In Deutschland hat es bisher deutlich weniger Tote gegeben. Corona trifft überproportional die „vielen“, auch wenn es einige der „wenigen“ trifft, die dann auch medial so präsent sind, dass man meint, es träfe auch und vor allem die Boris Johnsons. Tatsächlich trifft es besonders die, die auf engem Raum leben müssen, auch mit Krankheitssymptomen arbeiten müssen, weil sie dringend das Geld brauchen. Armut macht krank und verkürzt Leben.
  2. Corona ist ein so deutlicher Rückschritt für die gelebte Gleichberechtigung von Frauen, das man förmlich zusehen kann, wie erreichte Fortschritte zerbröseln. Nach zehn Wochen Home-Schooling und Home-Office können nur noch Menschen ohne praktische Lebenserfahrung die (Nicht)Vereinbarkeit am selben Ort und zur selben Zeit leugnen. Aber anstatt über Konzepte für Kinderbetreuung und Schule zu reden, fokussiert sich Politik lieber auf Bundesliga-Spiele und sonstige Lockerungen, die immer mehr die Verschiebung von der Gesundheit für alle auf die Wirtschaft, die funktionieren müsse.
  3. Die Mund-Nasen-Bedeckung ist für einen in meiner Beobachtung ansteigenden Anteil von Menschen etwas, das eher Mund- oder sogar Kinn-Bedeckung sein soll. Hilft nur leider nicht. Es kann aber auch Begegnungen wie neulich im Bus geben, wo ein alter Mann mich wüst beschimpfte, weil ich ihm beim Aussteigen zu nahe gekommen sei – ich war im selben Abstand zu ihm wie den anderen Aussteigenden. Und nachdem er zur Bekräftigung der Notwendigkeit des Abstandes zu ihm noch laut und riechend einen fahren ließ, war ich froh, dass er das nicht gemacht hatte, als ich hinter ihm saß.
  4. Das Recht auf Bildung und die Schulpflicht sind wichtige Elemente einer Gesellschaft, in der alle Kinder die Möglichkeit haben, sich bestmöglich zu entwickeln. Nach einer Zeit mit Homeschooling und fehlender Kinderbetreuung wird sich leider zeigen, wie sehr das gerade die Kinder in ihrer Entwicklung zurückgeworfen hat, die Zuhause nicht die erforderliche Unterstützung haben. Es besteht die Gefahr, dass sich die schon bestehenden Seggregationen weiter vergrößern.
  5. Menschliche Kommunkation ist mehr als das was man zunächst hört oder sieht. Telefonkonferenzen genauso wie Videokonferenzen sind gerade in diesen Zeiten ein zentrales Arbeitsinstrument. Aber sie sind auch extrem anstrengend. Arbeitsschutz ist deshalb mehr als Hygieneregeln oder andere physische, wichtige und erforderliche Schutzmaßnahmen.
  6. Während sich die einen darin überbieten (wollen), was endlich auch „gelockert“ werden muss, haben die anderen Angst, das alles zu schnell gelockert wird und die zweite Welle mit viel größerer „Wucht“ und vor allem viel mehr Tote, besonders aus den vulnerablen Gruppen, fordert. Leider wissen wir erst in ein oder zwei Jahren, welche Strategie die bessere war.
  7. Es braucht – gerade und auch – in diesen Zeiten schöne Dinge. Zum Beispiel Zeit zum Binge-Watchen von Serien oder Ausschlafen. Und das nennt man dann Urlaub, der auch wieder viel zu schnell vorbei ist.

#CoronaZeiten #9

Neun Wochen #CoronaZeiten und noch einiges vor uns

  1. Es gibt nach zwei Monaten in diesen so anderen Zeiten langsam etwas wie eine andere Normalität. Sie basiert immer noch auf den veränderten Zeiten und den neuen Anforderungen. Die Worterkennung kann Hygieneregeln ohne weiteres ergänzen und die andere Form des Miteinanders fühlt sich normaler an.
  2. Die Frage, wer das bezahlt und wem es nutzt, rückt langsam stärker ins Bewusstsein – zahlen die vielen oder tragen die wenigen mit richtig viel Vermögen auch richtig bei. Wird Steuervermeidung mit Steuermitteln aus den diversen Rettungsschirmen belohnt und ist das scheue Reh Kapital so wichtig, dass Dividenden gezahlt werden oder stärkt man die Binnennachfrage durch Massnahmen für die mit weniger oder normalen Einkommen?
  3. Hat all das Arbeiten für die Gleichberechtigung und den Feminismus einen übergroßen Rückschlag erlitten, haben die Frauen, die überproportional all das wuppen, was gerade mit „home-“ beginnt, überhaupt noch Energie, um für das zu kämpfen, was gerade so schmerzlich fehlt: Kinderbetreuung, gleiche Verantwortung für die Care-Arbeit, gleiche Chancen, mit vergleichbarer Qualifikation eine sichere und gut bezahlte Stelle zu bekommen und Karriere zu machen, Schutz vor sexueller Gewalt und Übergriffen, ….
  4. Die einen feiern ihren Friseurtermin, die anderen ihre Reservierung im Lieblingsrestaurant. Egal, wenn es unter Hygieneregeln etwas anders ist, es hat gefehlt und gibt wieder Lebensqualität. Ganz zu schweigen davon, dass man wieder in vorsichtigen Kontakt zu Menschen „aus einem anderen Haushalt“ treten kann und auch dieser Teil des Lebens echte Lebensqualität bringt.
  5. Die, die sich gerne Posterboymässig inszenieren, und so tun, als ob sie alles wüssten, sind so in die Inszenierung verliebt, dass die Regeln für alle offenbar nicht für sie gelten. Mögen sich die Wähler*innen zu gegebener Zeit daran erinnern, dass z.B. Christian Lindner oder Sebastian Kurz finden, dass Regeln oder Gesetze nicht für sie gelten.
  6. Urlaub in diesen Zeiten ist etwas anderes als sonst. Aber solange man das tun kann, was zur eigenen Erholung beiträgt, kann es auch auf Balkonien sein. Und weil man im Homeoffice – zumindest ich – noch weniger Zeit für die eigene Carearbeit hat, ist es auch schön, das ohne Telko-Tagestaktung mit begleitendem Mail-Tasking zu tun. Und man auch Zeit zum Lesen, Schlafen und Kochen hat.
  7. Prekäre Arbeit ist wie vor Corona, nur krasser. Wer wenig Platz zum Wohnen hat, mit vielen anderen auf engem Raum lebt, miese Arbeitsbedingungen und wenig Geld hat, ist ungleich stärker von den Folgen von Corona betroffen. Und deshalb brauchen wir eine neue Arbeits- und Sozialpolitik.
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#CoronaZeiten #8

Acht Wochen #CoronaZeiten, noch einiges vor uns

  1. Virtuelles Erinnern braucht reale Ansatzpunkte, um individuell wirksam zu werden. In der Woche mit VE-Day, dem Tag der Befreiung und dem Mauthausen-Gedenken frage ich mich, wie Menschen, die solche Veranstaltungen noch nie selbst erlebt haben, davon berührt werden. Und wenn ich mir das Anwachsen von Demos von Verschwörungstheoretikern anschaue, mit einen Gemisch von B-Promis wie rabiaten Vegan-Köchen, DJs zusammen mit Politikern aus dem rechtskonservativen und rechtsextremen Spektrum, dann ist das offensichtliche Fehlen von nachhaltiger politischer Bildung besonders traurig.
  2. Die Lockerungsübungen verbunden mit dem Stress, den die Folgen des Lockdown zunehmend machen, führen dazu, dass die Präsenzfreunde offenbar finden, mehr Anwesenheit, sei es im Büro oder bei Sitzungen, wäre vonnöten, um „richtige“ Ergebnisse zu erzielen. Ein neues Heldentum, das auf Risikogruppen keine Rücksicht mehr nimmt. Dabei sind immer noch andere Fragen offenbar wichtiger als Kommunikation, Arbeitsschutz und psychische Gesundheit, wenn Datenschutzbeauftragte Videokonferenzen als nachrangig zu Telefonkonferenzen betrachten und den Menschen lieber die Anstrengungen des konzentrierten Zuhörens und des Fehlens weiterer Informationen aus Mimik und dem Anschauen des anderen Menschen zumuten. Da sind Videokonferenzen kein einfach zugängliches Tool, um die verschiedenen Arbeitsorte der Menschen besser miteinander zu verbinden und IT-Sicherheit so kompliziert, dass sie eben eher umgangen wird.
  3. Wovon man wenig hört, ist das Anbahnen neuer Liebe in Zeiten von Kontaktbeschränkungen. Wie lernen Singles, die jemand suchen, eigentlich jemand kennen – und wie kann eine neue Liebe in diesen Zeiten erblühen. Vielleicht auch ein Grund, warum in einer Stadt wie Berlin mit so vielen Ein-Personen-Haushalten die neue Kontaktbeschränkungen, das man auch mit Personen eines anderen Haushalts zusammenkommen darf, wichtig ist.
  4. Die textile Mund-Nasen-Bedeckung scheint für einige ein zu tiefer Eingriff in ihre persönliche Freiheit zu sein. Obwohl die Yellow Press gerade mit vielen Bildern – viel gibt es ja auch derzeit nicht zu berichten – zeigt, dass dieses vermutlich das Accessoire des Jahres 2020 sein wird, mit dem mit so viel Individualität ausdrücken kann. Und wenn es dann noch alle schaffen, damit zum Beispiel im Bus auch tatsächlich Mund UND Nase zu bedecken, dann wäre es toll. Es gibt auch die Variante, nur den Mund zu bedecken. Gleichzeitig führt die Community-Maske dazu, dass weniger Leute im Bus telefonieren, was angesichts der Gespräche anderer, die man nicht verfolgen will, eher ein echter Kollateralnutzen ist.
  5. Die neuen Corona-Hotspots sind Fleischfabriken und Schlachthöfe. Wer sich ein wenig mit dem Thema „prekäre Arbeitsbedingungen“ beschäftigt, kommt sehr schnell dazu, dass die Beschäftigten, die für billige Lebensmittel sorgen, sei es als Erntehelfer oder in der Fleischindustrie, das bezahlen – hier ist immer schon große Kreativität der Arbeitgeber zu finden, die Beschäftigten auszubeuten und möglichst wenig für sie zu bezahlen. Deshalb ist das vor allem für Arbeitskräfte eine Alternative, die sonst keine Alternative haben und in ihrer Heimat noch weit weniger Geld verdienen. Aber während die Situation von Tieren in der Massentierhaltung immer wieder mit Filmen und Aktionen thematisiert wird, sind die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich selten Thema. Das ist übrigens auch in anderen EU-Ländern nicht besser – deshalb ist es oft moderne Sklaverei, damit hier billige Tomaten oder Nackensteaks im Supermarkt liegen.
  6. Ein Jahr, das so viele schöne Erlebnisse, Reisen und Konzerte, haben sollte, wird abgewickelt: In Spenden statt Erstattung der Karten für ein Wochenende in Dessau beim Kurt-Weill-Fest, in eine Rückerstattung einer Anzahlung für eine tolle Reise im Juli, in neue Konzerttermine ab Dezember 2020 und auch Rückerstattungen von nicht mit neuen Terminen organisierbaren Konzerten. Es bleibt die Hoffnung, irgendwann wieder etwas Vergleichbares tun zu können und bis dahin, in Erinnerungen zu schwelgen und sich zu freuen, dass man vieles schon länger auch einfach gemacht hat, anstatt es auf ein „Später, wenn..“ verschoben zu haben.
  7. Blumen bleiben wichtig für das Wohlbefinden. Auf der Fensterbank, die mit weiteren Orchideen bestückt ist, in der Vase, damit man bei den Telefonkonferenzen auf schöne Blumen blickt und auf dem Balkon, der ein wunderbarer Kraftort ist, wenn es wärmer ist.